Reisegedanken zu Madeira

atlantic ocean surrounding madeira_x960Es war im Ende Oktober 1998 als ich von allem was mich umgab „die Schnauze gestrichen voll hatte“. Ich musste raus, ich brauchte eine Luftveränderung. Aus dem Bauch heraus entschloss ich mich für einen Monat auf eine Insel zu reisen von der ich eigentlich nichts wusste außer dass Sie zu Portugal gehört und im Atlantik liegt.

Nach einem Zwischenstopp kam ich nach etwa 8 Stunden auf Madeira an. Der direkte Flug dauert zwar nur etwas über vier Stunden, kostete aber mehr als das Doppelte. Schon bei meiner Ankunft wusste ich, dass ich alles richtig gemacht hatte. Vom Grauen, Nassen, Kalten ins Warme, Trockene, Bunte.

Meine Ankunft war aber mehr als nur eine Luftveränderung. Madeira war zu diesem Zeitpunkt touristisch noch gar nicht erschlossen. Größere Hotelanlagen wie sie es heute westlich von Funchal gibt, kannte man 1998 noch nicht. Auch heute sind diese wirklich nur in einem Gebiet zu finden. Ich kam in einer kleinen Pension unter. Mein Zimmer war urig und hatte alles, was ich brauchte: Ein Bett, einen Schrank und eine Toilette mit Waschgelegenheit. Kein Internet und Fernsehen, dafür aber wirkliche Menschen mit echten, von Herzen kommenden Lächeln.

Mein Portugiesisch existierte damals noch gar nicht, aber mit Händen, Füßen und viel Lachen war der erste Abend am großen Tisch auf der Veranda ein Wendepunkt in meinem Leben.

Während der nächsten vier Wochen entdeckte ich die „Magie“ des Langsamen. Stundenlange Wanderungen durch die Lavedas ohne eine Menschenseele zu sehen veränderten viel in mir.

Dies war der Ort, an dem ich wieder Kraft und Energie auftanken konnte, an dem ich mein Leben neu sortierte an dem ich meine Ziele neu definierte.

Fast 20 Jahre später ist Madeira meine zweite Heimat geworden. Mindestens zweimal im Jahr fliege ich auf die Blumeninsel, wohne immer noch in derselben Pension und wandere immer noch stundenlang durch die Natur.

Auch wenn ich mittlerweile über 70 Länder unseres Erdballs besucht habe, Madeira ist für mich der Ort an dem ich mich am wohlsten, am gebogensten fühle und immer wieder gerne zurückkehre, wenn ich mal wieder von allem genervt bin und „die Schnauze voll habe“.